Tympan dit du Mystère d’Apollon

Dieses Relief, dessen Stilelemente es uns ermöglichen, das Stück auf den dritten Abschnitt des 12. Jahrhunderts zu datieren, ist mit drei Medaillons verziert, die nach Allegorien geformt wurden.  Auf dem mittleren befindet sich eine männliche Figur, die von vorne betrachtet wird. Mit Bart und Calotte wird sie zum Vertreter der Ehre bestimmt. Der Mann streckt seinen rechten Arm in einer Geste der Zustimmung zu einem im Profil knienden Mann aus und bietet ihm einen Becher an. In der rechten Hand hält er ein Medaillon. Eine Inschrift kennzeichnet diese zweite Figur als die Arbeit, die Honig anbietet. Ein drittes Medaillon, das symmetrisch zum vorherigen ist, zeigt eine verschleierte Frau. Es ist die Fürsorge, die mit ebenfalls gebeugtem Knie zwei Tassen Absinth in Richtung der Hauptfigur hält. Doch offenbar wendet sich die Ehre von ihr ab ... Das Ganze wird als „Mysticum Apollinis“, das „Geheimnis des Apollo“ bezeichnet und durch eine weitere Inschrift ergänzt, deren Bedeutung bereits unterschiedlich interpretiert wurde. Die Komposition soll auf jeden Fall eine Allegorie der Ehre, die die Arbeit belohnt, darstellen, doch diese Thematik bleibt in der mittelalterlichen Ikonografie einzigartig. Die Ehre wäre dann mit Apollon gleichzusetzen, dem Sonnengott, der das Licht der Intelligenz verbreitet. Eine solche Ikonografie unterstreicht das Bestreben der Lütticher Kleriker, die antike Kultur in das intellektuelle Denken zu integrieren, welches sie unterrichteten. Das Vorhandensein zahlreicher Allegorien in den maasländischen Werken zeugt auch von dem Wunsch nach Umsetzung von Ideen in Bilder. So kann die Hypothese aufgestellt werden, gemäß welcher das Relief, bei welchem es sich zweifellos um ein Tympanon für ein Portal handelt, in den Bau einer Schule integriert werden konnte, vielleicht sogar in jene, die der Lambertuskathedrale angeschlossen war und deren Renommee weit über die Grenzen der Diözese hinaus reichte.

Année d'exécution
Art mosan, vers 1170
Lieu
Prov. de l’ancienne maison Bourdon, rue Saint-Pierre à Liège
Dimensions
113 x 232 cm