-

An Leonies Tisch

Galerie vitrée

Diese Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit dem Kollektiv „Les Gaillardes“ vom Musée Grand Curtius mit der Stadt Lüttich, dem Dezernat für Kultur, dem Dezernat für Gleichstellung und dem Dezernat für öffentliche Bildung organisiert.

„Am Tisch von Léonie“ entstand aus diesem zugleich intimen und kollektiven Bild.

Der Tisch wird gedeckt, man setzt sich daran, man tauscht Blicke aus; dann wird er abgeräumt und hinterlässt die Spuren eines erlebten Moments. Er ist sowohl ein Ort konkreter Handlungen als auch ein Raum, in dem Worte, Wissen und kreative Impulse zirkulieren. Ein Ort des Teilens und der Weitergabe.

Die Installation hat die Form eines großen gedeckten Tisches, um an den hundertsten Todestag von Léonie de Waha zu erinnern, einer bedeutenden Persönlichkeit der Lütticher Geschichte.

Léonie Chestret-de Waha wurde 1836 in Lüttich geboren und starb 1926 in Tilff. Sie prägte ihre Zeit durch ihr vielfältiges Engagement. Sie setzte sich insbesondere für die Bildung junger Mädchen in einer Zeit ein, in der ihnen der Zugang zu Wissen noch beschränkt war. Sie heute zu ehren, ist nicht nur eine Frage des Gedenkens: Es geht darum, daran zu erinnern, dass die Errungenschaften von gestern die Kämpfe von heute erhellen.

Um Léonie de Waha herum versammeln sich symbolisch 22 Frauen aus Lüttich. Historische und zeitgenössische Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen (bildende Kunst, Literatur, Forschung, Sport, darstellende Kunst, bürgerschaftliches Engagement, Wissensvermittlung usw.), deren Werdegang Grenzen verschoben hat. Diese Installation würdigt außerdem den Tisch als Ort der Zusammenkunft, der Erinnerung und der Wissensvermittlung. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Ausstellung unter der Schirmherrschaft von Françoise Shein steht. 

Zwischen Keramik, Textilien und Pflanzenfarben webt „À la table de Léonie“ eine kollektive Erzählung, in der Material, Gestik und Erinnerung aufeinandertreffen, um diejenigen zu feiern, die die Lütticher Landschaft geprägt haben – und noch immer prägen. 

Die Ausstellung wird von einem Trio von Lütticher Künstlerinnen getragen – Samira Bourhaba, Keramikerin (Atelier Sentimentables), Martine Ernoux, Pflanzenfärberin (Atelier Indigo blue création) und Myriam Dehard, Textilkünstlerin –, die sich zu diesem Anlass unter dem Namen „Les Gaillardes” zusammengeschlossen haben. Drei Praktiken, die in der Materie, in der Langsamkeit und in der wiederholten Geste verwurzelt sind. Drei Arten, die Welt mit den Händen zu bewohnen.

Die Keramikarbeiten von Samira Bourhaba (Atelier Sentimentables) kommen hier auf altem Porzellangeschirr zum Ausdruck, das für diesen Anlass neu dekoriert wurde. Diese Objekte, die eine häusliche Erinnerung in sich tragen, werden durch die Hinzufügung von Bildern, die an die geehrten Frauen erinnern, verwandelt. Die Motive streben kein getreues Porträt an, sondern eine Andeutung: ein Symbol, eine grafische Spannung, eine Präsenz, die mit der Zartheit des Porzellans in Dialog tritt. Das Gebrauchsgegenstand wird zur Oberfläche einer Erzählung.

Martine Ernoux (Indigo blue création), Pflanzenfärberin, arbeitet mit Farbe wie mit einem lebendigen Abdruck: Pflanzen werden zu Pigmenten, Bäder offenbaren einzigartige Nuancen, Textilien tragen die Spuren einer organischen Zeit, von der gemeinsamen Tischdecke bis zu den individuellen Servietten.

Myriam Dehard, Textilkünstlerin, entwickelt eine Arbeit, die sich auf die Stickerei und die Gestaltung von Servietten konzentriert. Mit dem Faden schreibt sie Zeichen, Worte und zarte Spuren, die die Geschichte des Tisches fortsetzen. Durch die Falten, die Spannung und das Volumen, das sie dem Textil verleiht, verwandelt sie diese vertrauten Gegenstände in ausdrucksstarke Präsenzen, mal diskret, mal selbstbewusst.

Zusammen unterstreichen diese Praktiken die Kraft der Geste. Diese künstlerischen und handwerklichen Gesten, die lange Zeit mit dem häuslichen Bereich in Verbindung gebracht und als zweitrangig angesehen wurden, werden hier von „Les Gaillardes” als voll und ganz zeitgenössische Schöpfungsakte bekräftigt.

Der Name dieses Kollektivs wurde nicht zufällig gewählt. Die Gaillarde ist zwar die Blume, die Léonie de Waha als Symbol für die Union der wallonischen Frauen eingeführt hat, doch dieses Symbol steht auch für Kraft, Hartnäckigkeit und Lebensfreude.

An Leonies Tisch findet eine Ausstellung statt. Es ist auch eine Einladung an Sie.

Weibliche Persönlichkeiten, die am Tisch geehrt werden

Elise Ancion, Mady Andrien, Renée Brock, Victoire Cappe , Simone David Constant, Lucie Dejardin, Fanny Germeau, Brigitte Grignet, Brigitte Kaquet, Sandra Kim, Caroline Lamarche, Lisette Lombe, Brigitte Massart, Aurore Morisse, Nanesse, Caroline Pultz,  Christiane Stefanski, Anne-Josèphe Théroigne, Lise Thiry, Nathalie Toro, Brigitte Van den Bosshe, Aurélie William Levaux. 

Praktische Informationen

> Musée Grand Curtius – Féronstrée 136 – 4000 Lüttich

> Galerie vitrée

> Vom 6. bis 30. März 2026 – Montag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr – dienstags geschlossen.

> Eintritt frei

Bilder (von links nach rechts)
  • Atelier Sentimentales Copyright Charlotte Daerden
  • Indigo blue création Copyright Charlotte Daerden
  • Myriam Dehard Copyright Barbara Wolfs