Der Herbst steht ganz im Zeichen der Musik
Der Herbst steht ganz im Zeichen der Musik
Mozart als Kind
um 1883
Manufaktur von Sèvres, nach einer Bronze von Louis-Ernest Barrias (1841–1905)
Biskuitporzellan, auf Sockel aus Marmor und Bronze (nicht original)
63 x 19,5 cm (ohne Sockel)
Inv.-Nr. 94/14
Sammlung des Grand Curtius – Abteilung für angewandte Kunst
Vermächtnis von Ginette Maréchal, 1994
Ab dem 16. Oktober 2026 präsentiert das Grand Curtius die Ausstellung „Wenn Paganini auf Ysaÿe trifft: Die Geigen der Teufel“. Zu den Lieblingskomponisten des italienischen Virtuosen zählt ein weiteres Wunderkind der klassischen Musik: Wolfgang Amadeus Mozart.
Diese Skulptur aus Biskuitporzellan zeigt den jungen Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) mitten bei einer musikalischen Darbietung. Der österreichische Komponist verkörpert das frühreife Genie, das die europäischen Höfe im 18. Jahrhundert faszinierte. In seinen ersten Jahren als Virtuose, einer Zeit, in der er durch Europa reiste, wurde er bereits 1763 am Hof von Versailles vor Ludwig XV. und der Marquise de Pompadour vorgestellt. Der Junge wurde daraufhin zu einem wahren Gegenstand der Faszination für die französische Aristokratie.
Genau in diesen Kontext der Blüte der Künste am Hof fügt sich die Geschichte der Manufaktur von Sèvres ein. Diese berühmte Manufaktur, die ursprünglich „Manufaktur von Vincennes“ hieß, wurde 1740 dank der Unterstützung von Ludwig XV und der Marquise de Pompadour gegründet. Im Jahr 1756 wurde sie nach Sèvres verlegt, um zwischen dem Schloss des Königs und der Residenz der Marquise angesiedelt zu sein. Sie sollte zum Aushängeschild für die Exzellenz des französischen Handwerks werden.
Zu den Innovationen, die ihren Ruhm begründeten, zählt insbesondere eine Technik, die bis heute ein Wahrzeichen der Manufaktur geblieben ist: das Biskuitporzellan. Damit ist ein Porzellanstück gemeint, das weder glasiert noch bemalt ist und nur einmal bei hoher Temperatur gebrannt wird. Diese Technik wurde im 18. Jahrhundert von der Marquise eingeführt, um die französische Produktion von den anderen europäischen Manufakturen, insbesondere derjenigen in Meißen in Deutschland, abzugrenzen.
Das Biskuitporzellan wird in der Formwerkstatt hergestellt, wo die Handwerker die Skulpturen anhand eines Gipsoriginals und eines Formensatzes nachbilden, der alle erforderlichen Teile zur Herstellung eines Werks beinhaltet. Eine Form kann bis zu 140 Teile umfassen.
Zunächst wird die Porzellanmasse in die Elemente der Gipsform aufgetragen, um deren Details zu übernehmen und die Dicke zu vereinheitlichen. Anschließend werden die Formteile mit einer flüssigen Mischung aus Ton und Wasser zusammengefügt. Vor dem Entformen muss abgewartet werden, bis der Gips das Wasser der Masse durch Kapillarwirkung aufgesogen hat. Anschließend folgt der Schritt der Nachbearbeitung, bei dem das Werkstück im rohen Zustand überarbeitet wird: Der Handwerker entfernt die von der Form hinterlassenen Nahtstellen mit Metallwerkzeugen und kann die modellierten Details präzisieren. Schließlich wird das Werkstück in einem speziellen Ofen bei 1380 °C einmalig gebrannt und anschließend in der Polierwerkstatt poliert.
Auch wenn das Biskuit für sich genommen das Herzstück des Werks bildet, schafft die Uhr im mit Bronzedetails verzierten Marmorsockel unter den Füßen des jungen Musikers eine eindrucksvolle Allegorie: Die Zeit vergeht, doch Mozarts Kunst und Ruhm bleiben unberührt.
Angelina Taboga-Delattre
Cloé Vaichere
Praktikantinnen der École de Condé, Paris
Ausstellungsort
Die Objekte sind in der Vitrine des „Objekts des Monats“ zu sehen. Eingangshalle des Museums Grand Curtius in Lüttich.
Bildnachweis: Stadt Lüttich – Grand Curtius