Tischkunst im 18. jahrhundert: ein frühstück zu zweit

Tischkunst im 18. jahrhundert: ein frühstück zu zweit

Kaffee- und Teeservice „Tête-à-Tête”
Königliche Porzellanmanufaktur Meissen
Hartporzellan
Um 1780
Fabrikzeichen: Zwei gekreuzte blaue Schwerter und ein sechszackiger Stern 
(Marcolini-Periode)
Inventarnummer 71/104
Sammlung Département des Arts décoratifs – Grand Curtius, Lüttich
Erworben 1971

Die Verkostung von heißen Getränken wie Tee, Kaffee und Schokolade wurde in den bürgerlichen Kreisen des 18. Jahrhunderts sehr in Mode und stellte oft einen besonderen Moment im häuslichen Leben dar. Um dieses Ritual herum entwickelten sich sogenannte „Déjeuner”-Services: Dabei handelt es sich um ein Porzellanservice, bestehend aus einem zu den Gefäßen passenden Tablett für eine oder zwei Personen, daher auch die Bezeichnungen „égoïste” (Egoist) und „tête à tête” (Zweiergespann). Im Gegensatz zu einem Tischservice wird das „Déjeuner” in privaten Wohnungen verwendet, bequem im Bett oder in einem Sessel sitzend und in der Regel ohne Hilfe von Bediensteten. Das Modell und das Dekor des Services spiegeln den Geschmack und den Wohlstand seines Besitzers wider.

Ein prächtiges Dekor...

Die 16 Teile dieses Kaffee- und Teeservices 1 stammen aus der berühmten Königlichen Manufaktur Meissen, wie das Markenzeichen der beiden gekreuzten Schwerter belegt. Das Modell ist zwar auch anderswo bekannt, sein Dekor ist jedoch einzigartig und wurde zweifellos speziell für einen reichen Auftraggeber aus der Region Lüttich angefertigt, dessen Identität heute in Vergessenheit geraten ist. Das Dekor aus mehrfarbigen Rosen und Efeu wird durch goldene Motive ergänzt, deren Details mit Achatstein sehr fein poliert sind. Jedes Gefäß zeigt eine oder zwei verschiedene Ansichten von Lüttich oder den umliegenden Städten und Orten: Spa, Franchimont, Theux, Chaudfontaine und Verviers. Diese Miniaturlandschaften von großer Feinheit bedecken fast die gesamte Oberfläche des weißen Porzellans: Selbst die Löffel und kleinen Deckel sind mit winzigen Landschaften verziert, die jedoch so detailliert sind, dass sie mit einer Lupe betrachtet werden müssen.

... inspiriert von lokalen Malern?

In der Vergangenheit wurde Inspiration für Landschaften oft in den Werken von Remacle Leloup (1694-1746) gesucht. Dieser genoss nach der Veröffentlichung der fünfbändigen Sammlung Délices du Païs de Liége, die zwischen 1738 und 1744 erschien, einen gewissen Ruhm. Dieses Werk über die Geografie, Geschichte und Bräuche unserer Region ist fast vollständig mit Stichen dieses Malers aus Spa illustriert. Die große Ansicht von Lüttich auf dem Frühstückstablett sowie die Ansicht von Verviers auf der Teekanne sind eindeutig nach R. Leloup entstanden. Einige Ansichten ähneln den Délices, darunter die der Place de Spa auf der Kaffeekanne Andere Ansichten, wie die Promenaden und Brunnen in Spa, entsprechen überhaupt nicht denen, die Remacle gezeichnet hat. Eine Übereinstimmung findet sich hier bei seinem Sohn Antoine Leloup (1730-1802), einem Holzschnitzer aus Spa, der zur Zeit der Entstehung des Services.

Carmen Genten
Konservatorin Abteilung für dekorative Kunst des Grand Curtius

Das Objekt des Monats im Video

Objet du mois de mars 2026

Ausstellungsort

Die Objekte sind in der Vitrine „Objekt des Monats” zu sehen. Eingangshalle des Museums Grand Curtius in Lüttich.

Copyright des photos : Ville de Liège - Grand Curtius

Anmerkungen

1 Ursprünglich umfasste das Mittagessenservice 17 Teile, aber der vierte Löffel 
fehlte bereits beim Erwerb des Services im Jahr 1971.

2 Das Victoria and Albert Museum in London bewahrt ein Tête-à-Tête desselben Modells auf, Inv.-Nr. 1328-1871, aus dem Jahr 1789, verziert mit Szenen aus Johann Wolfgang von Goethes Roman Die Leiden des jungen Werther

Bildunterschriften

Service à café et à thé “tête-à-tête”
Manufacture royale de porcelaine de Meissen
Porcelaine dure
Vers 1780
Marque de fabrique : Deux épées bleues entrecroisées et une étoile à six branches (période Marcolini)
N° d’inventaire 71/104
Collection Département des Arts décoratifs - Grand Curtius, Liège
Achat, 1971

Nécessaire à écrire et à coudre
Antoine Leloup (1730-1802)
Bois de Spa
2e moitié du 18e siècle
N° d’inventaire 2016/LP/032
Collection Département des Arts décoratifs - Grand Curtius, Liège
Don de Paulette et Louis Pironet, 2017
(couvercle de la grande boite et couvercle d’un boite intérieure)